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Homonyme in der thailändischen Sprache

Thailändisch > Einleitung

Als Homonyme werden Wörter einer Sprache bezeichnet, die gleich geschrieben oder gesprochen werden, aber unterschiedliche Bedeutung haben. Besonders in Reiseführern wird der Eindruck erweckt, Homonyme seien eine Einzigartigkeit der Thaisprache, für die es in den westlichen Sprachen keine Entsprechung gäbe. Das ist schlicht falsch. In allen europäischen Sprachen und damit auch im Deutschen gibt es eine Vielzahl solcher Worte:

Bank kann das Geldinstitut aber auch die Sitzbank meinen.
Leuchte ist entweder ein Beleuchtungskörper oder es wird eine besonders gescheite Person gemeint.
Schwindel ist entweder ein Betrug oder eine Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinnes.

Eine weitere Kategorie sind gleichlautende aber unterschiedlich geschriebene Worte:

Laib und Leib
Lerche und Lärche
leeren und lehren
mehr und Meer

Die wahre Bedeutung des Wortes ergibt sich aus dem Zusammenhang des ganzen Satzes. Anhand der oben genannten Beispiele ergibt sich die Bedeutung der Worte in den folgenden Sätzen zweifelsfrei:

Gestern habe ich Geld zur Bank gebracht.
Ich setze mich auf die Bank.
Der Schüler ist keine große Leuchte.

Der Mülleimer ist zu leeren.
Die Lärche ist hoch gewachsen.


Bei den blauen Sätzen ist zwar der Unterschied in der Schrift erkennbar, aber im gesprochenen Wort kann man die unterschiedliche Schreibweise nicht heraus hören.

Es ist also nicht der Thailändischen Sprache vorbehalten, Homonyme oder gleich klingende Worte zu besitzen. Allerdings ist die Zahl der Homonyme im Thai ungleich größer. In allen Sprachen ergeben sich die Bedeutungen von Worten aus dem Zusammenhang und nicht ausschließlich aus der korrekten Aussprache.

Die Aussprache im Thai ist sehr schwierig und für den Fremden teilweise nicht heraus zuhören. Worte werden in bis zu 5 verschiedenen Tonhöhen gesprochen (in manchen Regionen von Thailand sogar bis zu 7). Folgende Töne werden unterschieden:

  • normaler Ton

  • tiefer Ton

  • steigender Ton

  • abfallender Ton

  • hoher Ton



Auch diese Töne sind nicht nur in der Thailändischen Sprache vertreten. Im Deutschen wird das Ende eines Satzes auch mit einem abfallenden Ton und eine Frage mit einem steigenden Ton zum Ausdruck gebracht.

Die vermeintliche Schwierigkeiten, die der Fremde mit der thailändischen Sprache haben mag, hängen mehr mit den fremdartigen Worten zusammen, als mit Sprachdetails, die es im Deutschen angeblich nicht gibt. Ein Ausländer wird in Thailand auch meist dann verstanden, wenn er die richtigen Lautkombinationen in falscher Tonhöhe spricht. Voraussetzung ist, dass er nicht nur einzelne Worte sondern möglichst Sätze von sich gibt.

Will man die Sprache von grundauf erlernen, kommt man nicht um die Kenntnis von Tonhöhen und die Auswirkung auf die Bedeutung gleicher Worte herum. Allerdings sollte man die Notwendigkeit dieser Fähigkeit nicht überbewerten. Die Autoren des Buches "The Fundamentals of the Thai Language
" haben schon 1956 geschrieben

In früheren Büchern über Thai für Ausländer ... werden die Betonungen von Anfang an behandelt, doch sind wir davon abgekommen, da es nur Verwirrung stiftet, sich mit den Betonungen zu befassen, bevor Sie sich einen Grundwortschatz angeeignet haben ... Wir glauben, dass die Betonungen im Vergleich zum Erlernen eines Grundwortschatzes zweitrangig sind ... In nur vergleichsweise wenig Fällen wird eine falsche Betonung dazu führen, dass man Sie falsch versteht.


Diese Einschätzung entspricht genau meiner Empfindung. Es führt bei mir nur zur Verwirrung und Entmutigung, wenn ich mir die Gesetze der Aussprache einprägen soll. Diese sind mindestens so kompliziert, wie die deutsche Grammatik. Ich bin schon froh, wenn ich einige Worte grundsätzlich sprechen, sie schreiben und lesen kann. Viel wichtiger als die exakte Einhaltung der Tonhöhen wäre die Kenntnis vom Satzbau. Dieser ist im Gegensatz zum Deutschen sehr viel einfacher, aber deshalb für unsereinen vollkommen ungewohnt. Viele Worte, die im Deutschen unbedingt von Nöten sind, werden im Thailändischen gar nicht benötigt. An diese einfache Satzstruktur muss man sich erst gewöhnen. Ein Beispiel:

Sie wollen wissen ob es (hier am Ort) einen Arzt gibt und würden fragen "Gibt es (hier) einen Arzt?". Im Deutschen benötigt man also mindestens 4 oder 5 Worte. Die thailändische Frage würde lauten (in Lautschrift geschrieben) "mii moo mai khrab
". Nun das sind auch 4 Worte, werden Sie sagen. Stimmt, aber bedenken Sie, dass das Wörtchen mai den Fragepartikel darstellt also unserem Fragezeichen entspricht. Das Wort khrab ist der fast immer notwendige Höflichkeitspartikel. Dieser hat keine übersetzbare Bedeutung. Er entspricht Worten wie "bitte" oder "danke". Jetzt bleiben noch mii moo übrig. Übersetzt heisst das "haben Arzt". Ein Satz, der im Deutschen vollkommen unakzeptabel ist.

Noch ein Beispiel: "bpai nai
". Dies bedeutet sinngemäß "Wohin gehen Sie?". Wörtlich übersetzt: "gehen wohin". Die Anrede kann in der thailändischen Ümgangssprache weg gelassen werden.

Dazu kommt, dass die Worte nur in der Grundform existieren, also keiner Veränderung aufgrund von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft unterliegen. Auch das ist gewöhnungsbedürftig.

Fazit

  • Schriftzeichen lernen

  • Grundwortschatz lernen

  • Satzbau lernen

  • Regeln der Aussprache lernen


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