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Inbetriebnahme einer Telefonanlage am IP-Anschluss

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Erfahrungen mit der Umstellung von ISDN auf IP-Telefonie
Am 28.07.2014 wurde mein ISDN-Anschluss auf IP-Telefonie durch die Telekom umgestellt. Die Umstellung hatte ich in einem T-Punkt-Laden beauftragt. Ich ging davon aus, dass dort die persönliche Situation besser mit den Mitarbeitern besprochen werden kann und somit eventuelle Fehler von vorne herein vermieden werden können.
Erfreulicherweise kann ich schon mal mitteilen, dass die Umstellung pünktlich und fehlerlos funktioniert hat. Insofern war meine Taktik offensichtlich von Erfolg gekrönt. Nachtrag vom 10.03.2016 und mein Fazit lesen Sie am Ende dieser Seite.

Allgemeine Informationen zum IP-Anschluss der Telekom finden Sie unter dem Menüpunkt IP-Anschluss.


Ich nutze eine Telefonanlage COMpact 5010 VoIP von Auerswald, die bisher an einem NTBA angeschlossen war. Von der Telefonanlage unabhägig hatte ich einen Speedport W721V im Einsatz. Da dieser nicht mit IP-Telefonie umgehen kann, wurde mir ein neuer Speedport W724V vor der Umstellung zugesandt.

Die lokale Verdrahtung hat sich nun geändert. Der Speedport wird direkt mit dem mitgelieferten Kabel an der erste TAE-Dose (1. TAE) der Telekom angeschlossen. Splitter und NTBA entfallen und können demontiert werden. Die Telefonanlage ist mit einem LAN-Kabel mit dem Netzwerk des Speedports verbunden.

Der Speedport W724V besitzt zwei TAE-Buchsen zum Anschluss von analogen Telefonen. Er hat keinen S0-Ausgang, d.h. es kann definitiv kein ISDN-Endgerät (Telefon oder Telefonanlage) angeschlossen werden. die Konfiguration des Speedports war mit dem Assistenten problemlos durchzuführen. Auf Details möchte ich jedoch hier nicht eingehen.

COMpact 5010 VoIP
Die Umkonfiguration der Telefonanlage COMpact 5010 VoIP ist eigentlich auch nicht schwer. Allerdings muss man die Zusammenhänge und Hintergründe der diversen Einstellungen kennen und in der richtigen Reihenfolge durchführen. Es war mir viele Stunden nicht möglich Gespräche entgegenzunehmen oder abgehende Gespräche zu führen. Viele Recherchen im Internet in diversen Foren waren nicht direkt zielführend. Ebenfalls die Telekom-Hotline hat mir nicht das Problem lösen können. Allerdings bekam ich dort trotzdem einige nützliche Infos. Es wäre auch zu viel verlangt, wenn die Telekom-Hotline Details der Konfiguration einer von der Telekom nicht vertriebenen Telefonanlage kennen würde. Selbst die Webseite von Auerswald als Hersteller der Anlage ergab keine direkte Lösung. Auch dort fand ich einige nützliche und notwendige Hinweise. Erst wenn man alle Infos sinnvoll zusammen vereint, ist das Problem zulösen. Ich habe es geschafft. Damit andere diesen mühseligen Prozess nicht auch durchleiden müssen, möchte ich nachfolgende die notwendigen Schritte darstellen. Ich habe eine COMpact 5010 VoIP im Grundausbau im Einsatz. Diese Anlage ist baugleich mit der COMpact 5020 VoIP. Letztere besitzt nur mehr Anschlussmöglichkeiten für Endgeräte. Näheres ist der hersteller Webseite zu entnehmen.





1. Firmware feststellen und gegebenenfalls updaten

Der Grund warum ich keine abgehenden Gespräche aufbauen konnte lag an der
veralteten Firmware 4.0. Kommende Gespräche waren mit dieser Firmware möglich. Das nebenstehende Bild zeigt die aktuell in der Anlage vorhandene Firmware. Die Anzeige erhält man, wenn man mit der Maus auf das Auerswald-Logo links oben im Bild klickt.

Achtung! Die Abbildung zeigt die Firmware nach einem Update auf die Version 4.2E, die inzwischen aber auch schon veraltet ist.


Firmware feststellen

Firmware updaten

Das nebenstehende Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Konfigurationsseite für Firmware-Update und Neustart. Ursprünglich hatte ich die Häkchen für ein regelmäßiges Update gesetzt. Trotzdem hat sich die Anlage nie upgedated. Auch der Versuch das Update direkt von der Herstellerseite einzuspielen hat nicht funktioniert. Es wurde zurückgemeldet, dass es keine neuere Firmware gäbe.

Die Webseite www.auerswald.de/de/service/service-produkte zeigt für die Anlage, dass es seit 13.6.2016 die Firmware 4.2K Build 000 gibt. Auf der Webseite kann man die Datei herunterladen. Diese Datei habe ich dann manuell mit den im Bild markierten Schaltflächen eingespielt. Das Einspeichern dauerte ein paar Minuten. Der anschließende Neustart dauert bei dieser Anlage gefühlt auch sehr lange.

Dem Versionsreport von Auerswald sind die Änderunge nachzulesen. Es wurden eine große Zahl von Fehlern behoben.

Admin-Passwort

In der Firmwareversion 4.0 gab es nur eine Admin-Pin. Diese musste zwingend aus 6 Ziffern bestehen. Die neue Firmware arbeitet nun mit einem alphanummerischen Passwort. Dieses muss zwar auch aus mindestens 6 Zeichen bestehen und wird zunächst auf den gleichen Inhalt wie die Pin gesetzt. Der Admin muss das bessere Passwort manuell ändern. Diese Änderung wird im Dialog Administration - Server-Konfiguration durchgeführt.

Nach dieser Änderung wird zum einloggen in die Konfigurationssoftware immer das neue Passwort abgefragt.

Nun kann man sich an die eigentliche Umstellung von ISDN (oder analog) auf IP-Telefonie machen.

VoIP-Kanäle einstellen

Die COMpact 5010/5020 VoIP besitzt auf dem Grundboard nur 2 VoIP-Kanäle. Diese sind werksseitig als interne Kanäle festgelegt. In dem selben Dialog für die Änderung des Passwortest findet sich weiter unten die Einstellmöglichkeit für die VoIP-Kanäle. Im Grundausbau ist man gezwungen die beiden Kanäle auf extern zu stellen. Schließlich möchte man ja auch 2 externe Gespräche (kommend oder gehend oder gemischt) führen können. Dieses Leistungsmerkmal stellt der IP-Telefonanschluss der Telekom zur Verfügung und entspricht damit dem Leistungsmerkmal bei ISDN.

VoIP-Anbieter

Die Firmware stellt eine Reihe von Anbietern zur Verfügung. Diese Anbieter-Liste kann durch weitere Anbieter erweitert werden. Ich habe mich natürlich für den Anbieter der Telekom entschieden. Die Firma Auerswald stellt für den IP-Anschluss der Telekom ein Konfigurations-Template zur Verfügung, welche man über die Schaltfläche Online-Konfiguration erhält. Die Einträge in den Feldern "Anbietername" kann frei gewählt werden.

Mit der Schaltfläche Konfiguration öffnet sich ein großer Dialog mit den entsprechenden Parametern des Anbieters.

Konfigurationsdaten

Die nebenstehenden Bilder zeigen die Einträge für die Felder. Die meisten Einträge entsprechen den Standardvorgaben.

Es handelt sich um die Konfigurationsvorlage von Auerswald für den IP-Anschluss der Telekom. Im grün umrahmten Feld kann bei Ihrer Anlage ein anderer Wert stehen. Das hängt von den weiteren Konfigurations-Templates ab, die in Ihrer Anlage noch vorhanden sind.
Telekom MagentaZuhause IPv4 V901

VoIP Accounts anlegen

Mit einem IP-Telefonanschluss erhält man mindestens 3 Rufnummern. Diese Rufnummern können dann für unterschiedliche Zwecke genutzt werden, z. B. eine Nummer für ein Faxgerät. Der Anrufer wählt gezielt eine der Rufnummern und in der Anlage kann dieses Gespräch an entsprechende Nebenstellen weitergeleitet werden (Rufverteilung). Dies war auch bei ISDN so. Jedoch bei dem ISDN-Port der Telefonanlage hat man einem Port alle Rufnummern zugeordnet und die gewünschte Rufverteilung gewählt. Hier ist das Verhalten beim IP-Anschluss innerhalb der Anlage etwas verwirrend. Man wählt zwar auch einen sogenannten "Mehrgeräteanschluss" aus und kann auch mehrere MSNs eintragen, aber es wird nur auf die erste eingetragene Rufnummer reagiert.

Auf der Webseite von Auerswald wird dieser Umstand auch irgendwo im Text erwähnt. Das ist aber eher Zufall, diese Stelle zu finden und zu lesen.
Deshalb Achtung: pro zugewiesener Rufnummer (MSN) muss ein separater Account angelegt werden.


Das Bild zeigt auszugsweise die Situation in meiner Anlage. Zusätzlich ist zu erkennen, dass auch noch ein Account des Anbieters SIPGATE vorhanden und eingerichtet ist. Im Feld Accountname kann ein frei gewählter Text als Bezeichnung eingetragen werden.

Konfiguration der einzelnen Acccounts

Das erste Feld zeigt den zu konfigurierenden Account. Die restlichen Felder werden wie folgt beschrieben ausgefüllt:

  • Landesvorwahl (1)

  • Ortsvorwahl (2)

  • Die Accountnummer ist eine Nummer aus dem Rufnummernplan der Anlage. Es können nur Nummern eingegeben werden, die noch keiner Nebenstelle oder Gruppe zugewiesen wurde. Die Nummer muss innerhalb des Rufnummernplanes eindeutig sein. Im Rahmen der Möglichkeiten kann diese aber frei gewählt werden. Sie dient zur Identifizierung innerhalb der Anlage. Mit der Nummer kann mann ein gehendes Gespräch gezielt über eine bestimmte Rufnummer führen. Möchte ich mit der Rufnummer des zweiten Accounts nach draußen telefonieren (diese Nummer sieht dann der Angerufene), wählt man 9320. Die 0 ist die allgemeine Amtszugangsziffer. (3)

  • Als Benutzername wird die Rufnummer mit Ortsvorwahl eingetragen, für die der Account gilt. Keine Leer- oder Sonderzeichen eingeben. (4)

  • Das Passwort mit dem man sich auch im Kundencenter der Telekom anmelden würde. (5)

  • Als Authentifizierungsnummer wird entweder die sogenannte Hauptnummer des Anschlusses (i.d.R. die erste zugewiesene Rufnummer) oder die email-Kennung die für die Anmeldung am Kundencenter der Telekom verwendet wird. Dies habe ich jedoch nicht getest. Laut Aussage der Telekom-Hotline ist das aber auch möglich. (6)

  • In den beiden Feldern wird links die Rufnummer des Accounts eingetragen. Diesesmal aber ohne Ortsvorwahl. Im zweiten Feld kann ein freier Text eingetragen werden. (7)

  • Nach Übernahme der Eintragung erscheinen die Werte der Felder 7. (8)


Diese Eintragungen müssen für jeden Account durchgeführt werden.

Rufverteilung

Damit kommende Gespräche auch tatsächlich an den Nebenstellen signalisiert werden, muss dem Account (1.) eine einzelne Nebenstellenrufnummer oder Gruppenrufnummer zugewiesen werden (2.)

Ohne dieser Zuweisung bleiben alle Telefone bei eingehenden Gesprächen stumm.

VoIP-Account Status

Über das Menü Administration - Monitoring - Status VoIP-Accounts kann man den Zustand der Accounts kontrollieren. Im Idealfall werden alle Punkte grün, wenn die einzelne Rufnummer angerufen wurden bzw. von dieser Nummer ein gehendes Gespräch geführt wurde. Sind die Punkte grau ist das auch noch nicht schlimm, es wurde der Account in dieser Funktion nur noch nicht genutzt. Sollte allerdings ein Punkt rot dargestellt sein, stimmt etwas an der Konfiguration nicht.

Anzeige der gewünschten Rufnummer bei gehenden Gesprächen

Meistens hat man mehr als eine Rufnummer zur Verfügung. Ohne einer speziellen Konfiguration wird entweder keine oder eine ungewünschte Rufnummer dem Angerufenen übermittelt. Es gibt zwei Möglichkeiten dies zu erreichen:

Viele Einträge unterscheiden zwischen dienstlich und privat. Hat man diese Unterscheidung in der Anlage nicht eingestellt, sind die Veränderungen bei "dienstlich" zu machen. Im Zweifelsfall sowohl unter dienstlich wie auch unter privat die selben Einstellungen vornehmen.
Vorzugsamt einstellen
1.
Bei den Teilnehmereigenschaften muss auf der Registerkarte "Amteinstellung" die Rufnummernübermittlung (gehend) eingestellt werden. Es ist "Amtabhängig" zu wählen. Dies reicht meistens schon aus. Welche Nummer übermittelt wird, hängt jetzt aber davon ab, welche Rufverteilungsgruppe für die MSN eingestellt wurde. Auf die Konfiguration von Rufverteilungsgruppen gehe ich nicht weiter ein, weil dies das Thema meiner Infoseite sprengen würde.

Um ganz sicher zu gehen, welche Rufnummer bei gehenden Gesprächen übermittelt wird, verwenden Sie die zweite Variante. Diese baut auf den unter Eins gemachten Einstellung auf.

2.
Zusätzlich stellen Sie unter Vorzugsamt den Eintrag "Spezielle Vorzugsämter" ein. Anschließend müssen Sie die Schaltfläche "Experte" wählen. Den Hinweis, dass Änderungen an der Seite noch gespeichert werden müssen, stimmen Sie zu. In dem sich öffnenden Dialog können Sie nun hinter der gewünschten Rufnummer die Priorität 1 wählen. Zusätzlich können Sie noch bei anderen Rufnummern die Prioritäten 2 und höher einstellen. Das führt dazu, dass, sollte die gewünschte MSN aus irgendeinem Grund zeitweise nicht zur Verfügung zu stehen, die Rufnummer mit der Priorität 2 , 3 usw. verwendet wird. Dies macht meiner Meinung allerdings nur dann Sinn, wenn Sie mehrere unabhängige Provider in der TK-Anlage konfiguriert haben. Denn durch diese Einstellung der Vorzugsämter legen Sie nämlich nicht nur eine Rufnummer fest, sondern den Provider über den das gehende Gespräch geführt werden soll.

Der Vorschlag, die Rufnummernübermittlung bei gehenden Gesprächen hier aufzunehmen, kam von Herrn André Teichmann. Das Bild stammt auch von ihm. Vielen Dank für Ihren Vorschlag und die Rückmeldungen zur Inbetriebnahme Ihrer TK-Anlage.




Das waren die Schritte zur erfolgreichen Konfiguration der COMpact 5010 VoIP mit einem IP-Telefonanschluss. Ich hoffe, dass Leser dieser Seite Ihre Anlage in kurzer Zeit einsatzbereit haben. Auf Konfigurationen die nicht speziell mit VoIP zu tun haben bin ich nicht eingegangen, weil es nicht Absicht dieser Seite war.



Nachtrag zum Betrieb der COMpact5010 VoIP am IP-Telefonanschluss der Telekom
Stand 10.03.2016

Inzwischen kann ich auf praktische Betriebserfahrung über mehrere Monate zurückblicken. Es hatte noch einige Probleme gegeben, über die ich an dieser Stelle berichtete. Da der Beitrag schon sehr lang und unübersichtlich ist, habe ich mich entschlossen, diese nicht mehr relevanten Teile zu entfernen.

Der zuverlässige Betrieb der TK-Anlage ist durch die aktuelle Firmware 4.2H Build 000 gegeben.


Speedport W724V
Ich hatte hier einmal geschrieben, es dürfen im Speedport nicht gleichzeitig Rufnummern eingetragen sein, die auch in der TK-Anlage Verwendung finden. Das hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Das hat zur Folge, man kann für einen eventuellen Notbetrieb ein Telefon an den Speedport anschließen. Dann ist man immer noch erreichbar oder kann gehende Gespräche führen, wenn die TK-Anlage wieder einmal spinnt.


Fazit

Inzwischen funktioniert die Telefonanlage am IP-Anschluss der Telekom einwandfrei. Somit steht einer Umstellung eigentlich nichts mehr im Wege. Die Zwangsumstellung hat bereits begonnen.


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